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Hilmar Kurth (Hrsg.) |
"Shalom, das bedeutet Frieden"Jüdisches Ehepaar Günter und Lore Roberg zu Gast in der Schule / "Lemförder mit Leib und Seele"LEMFÖRDE (cb) "Ich bin glücklich, dass ich nach Lemförde kommen durfte, um mein Herz auszuschütten", sagte ein sichtlich bewegter Günter Roberg am Ende seiner Lebensgeschichte. Als Zeitzeugen des "Holocaust" waren er und seine Frau Lore gerne der Einladung der Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe gefolgt. Zu Stande gekommen war der Kontakt durch die Pastorentochter Cordula Voigts, die das Ehepaar in Israel kennen lernte. Unterkunft in Lemförde fanden sie nun auch bei Heidi und Hartmut Voigts. "Shalom, das bedeutet Frieden", begrüßte Günter Roberg die Schülerinnen und Schüler der sechsten un zehnten Klassen im Musikraum. "Ich bin ein Lemförder mit Leib und Seele", gestand der 1921 Geborene kurze Zeit später, der eigentlich eine Kindheit wie aus dem Bilderbuch hatte. 1927 in Lemförde eingeschult, 1930 nach Diepholz gezogen. Bis 1933... "Gott hat mir geholfen, dass ich aus diesem Teufelskreis herauskam", sagte er leise. Die Juden wurden ausgeschlossen, verleumdet, beschimpft, die Synagogen zerstört, die Geschäfte zertrümmert, "und studieren konnten wir auch nicht." Als der Holocaust begann, war er als Bäcker in Hannover tätig. Zurückgekehrt nach Diepholz fand er sein Elternhaus zerstört. Vehement betrieb er die Auswanderung. Am 16. August 1940 war es dann soweit. "Unsere Atmosphäre war fröhlich", erinnert sich der Lemförder, der in Berlin am Bahnhof Friedrichstraße gemeinsam mit 2000 weiteren Personen startete. Per Schiff ging die Reise durch das Schwarze Meer, den Bosporus in Richtung Haifa. "Am 30. November sahen wir die Küste", doch die Engländer ließen sie nicht ins Land. Sie wollten sie nach Maurizius abschieben. Nachdem auf seinem Schiff versteckte Munition explodierte, schwamm Günter Roberg mit einem weiteren Lemförder an seiner Seite an Land. Dort galten sie als Schiffbrüchige, wurden aufgenommen und kamen in ein Internierungslager. Später übte er dann in Haifa seinen Beruf als Bäcker aus. "Wir haben es geschafft, Städte aufzubauen. Es gibt in Israel nichts, was es nicht gibt", erzählt Günter Roberg stolz, der heute mit seiner Frau in Kyria Bialik wohnt, einem Vorort von Haifa. Dort hat er den Spitznamen "der deutsche Konsul" erhalten. Die Fragen der Zehntklässler verdeutlichten, dass sie Anteil am Schicksal des jüdischen Ehepaares nahmen. Und auch Rektorin Gertrud Völkening stellte fest: "Wir hatten heute eine besondere Geschichtsstunde...". Aus: Diepholzer Kreisblatt vom 25. Mai 2000 |
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Letzte Änderung: 02.11.2009 · webmaster |